Udo Max Boettcher

       Udo Max Boettcher 2025 vor seinem Atelier

Betrachtung seines Werks

Resultat seiner ganz persönlichen Auseinandersetzung mit Dingen, Materialien, Stoffen und vielleicht noch Verfahren.

Seine Arbeiten beginnen mit dem spontanen Impuls, sich mit einem Gegenstand zu beschäftigen, ihn zu bearbeiten. Wohin die Reise dann gehen soll, ist weitgehend offen.

Bei den meisten Menschen wird ein derartiges Verfahren zu ,,Schrott“ führen. Udos Intuition und sein Sinn für Ästhetik machen aus Schrott Poesie.

Für Udos Arbeiten lässt sich entsprechend grundsätzlich mit Fug und Recht sagen: ein echter Udo. Dabei ist Udo weit davon entfernt, Kunst als narzisstische Selbstbespiegelung zu betreiben. Im Gegenteil: Er arbeitet im „Flow“, in einem Zustand von Selbst- und Weltvergessenheit, ohne klare Absichten und Abwägungen, ob das, was er macht, auch gefallen könnte.

Vielleicht ist das die Zone, in der die Poesie entsteht. Im Ergebnis jedenfalls transportieren seine Arbeiten seinen spezifischen Humor, seinen Hang zum Skurrilen und manchmal auch zum Düsteren. Mir scheint, das ist der „rote Faden“, der sich durch sein ansonsten sehr heterogenes Werk zieht. Diese Heterogenität zeigt sich vor allem in seinen Bildern.

Das Spektrum der Arbeiten reicht von hingeworfenen Skizzen auf Notizzetteln bis zu großflächigen, aufwändig gearbeiteten Bildern mit unterschiedlichen Materialien.

Die entscheidenden Elemente seines bildnerischen Schaffens sind darum auch schwerer zu bestimmen als die seiner skulpturalen Arbeiten, bei denen das zusammenführen von Dingen ein mehr oder weniger durchgehendes Merkmal ist.

Vielleicht ist es dieser spezielle Raum zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten, den man regelmäßig in Udos Bildern erkennen kann.

Die Irritation, die seine Bilder auslösen, wenn man zuerst abstrakte Linien sieht und dann erkennt, das es sich um eine erotische Schweinerei handelt, um sich gleich anschließend zu fragen, ob es nicht doch die eigene Phantasie ist, die das vermeintlich Konkrete hineinliest.

Oder: Der zäh übers Bild fließende Teerbrei, der zum Teil eines Tatorts wird, an dem es noch zahlreiche weitere Hinweise auf das Geschehen gibt, die aber trotzdem nie den Schluss auf ein konkretes Geschehen zulassen.

Vielleicht kann man das so sagen: Udos Bilder sind poetische Räume. Und der Grund, warum er solche Räume erzeugen kann, ist, dass Udo selbst gelebte Poesie ist. Gewissermaßen der wandelnde Beweis, dass das Leben mehr ist als Essen und Kacken.

Dr. Helmut Tausenteufel